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Datum: 30.11.99

Studierende fragen - Alumni antworten: Karrieretreff an der Technischen Fakultät zum Thema "Ingenieure im Management"

Beschreibung:

„Sie können der beste 100-Meter-Läufer der Welt sein –
aber Sie müssen am Start sein. Sonst gibt’s keine Punkte.“

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Alumni Technische Fakultät Erlangen (ATE) e.V.
und des Career Service der FAU im Rahmen der universitätsweiten Reihe „Karriere-Treffs“ der FAU

Heute noch Studierender – und morgen schon Führungskraft mit Personal- und Budgetverantwortung im international operierenden Unternehmen? Die Perspektive, als junger Ingenieur im Management aufzusteigen, scheint verlockend und ist verstärkt Teil der Recruiting-Kampagnen verschiedener Global Player. Zugegeben, klingt gut! Doch kann ich den Weg ins Management zielgerichtet planen? Wie stimme ich bereits mein Studium darauf ab? Genügt der Bachelor, oder ist ein Masterabschluss Pflicht als frühe Basis für einen späteren beruflichen Aufstieg? Werden Promotion und MBA ihrem Ruf als „Karrierebooster“ auch in der Wirtschaft nach wie vor gerecht?

Offene Antworten und Einschätzungen aus der Chefetage gaben am Montag, 16.1.2012, vier langjährig berufserfahrene und in verschiedenen Wirtschaftssektoren äußerst erfolgreiche Ingenieure – allesamt Ehemalige der Technischen Fakultät. Nach einer Kurzvorstellung am Podium und einer anschließenden Diskussion im Plenum war im Anschluss viel Zeit eingeplant, bei einem gemeinsamen Imbiss persönlich ins Gespräch zu kommen. Dass der Austausch auf beiden Seiten gut ankam, war offensichtlich: Das offizielle Ende der Veranstaltung wurde um eine gute Stunde überschritten.



Offenheit für frische Themen und neue Herausforderungen
Dr. Thomas Rebhan machte die Studierenden mit den Begrifflichkeiten von „Six Sigma“, einer Methode des Qualitätsmanagements, vertraut . Als sog. Master Black Belt ist Dr. Rebhan im Rahmen von Six Sigma bei Fresenius Medical Care verantwortlich für die Messung, Analyse, Verbesserung und Überwachung von Geschäftsvorgängen mit statistischen Mitteln. Der Prozesserfolg gestaltet sich dabei im ständigen wechselseitigen Abgleich finanzwirtschaftlich wichtiger Kerngrößen des Unternehmens und den Bedürfnissen auf Kundenseite. Mit jedem neuen Team, das es im Rahmen seiner Aufgabe zu führen galt, erweiterte sich auch Rebhans Themenspektrum. Abgesehen von dem fachlichen Anspruch, thematisch flexibel zu bleiben, gab er den Studierenden einen zentralen Gedanken mit auf den Weg: „Wenn es auf der Karriereleiter nach oben geht, werden neben den fachlichen Grundlagen persönliche Kompetenzen immer wichtiger. Wer dann erfolgreich sein will, muss authentisch sein und die Fähigkeit besitzen, die Bedürfnisse seiner Teammitglieder zu erkennen und individuelle Stärken gezielt zu fördern.“

Mit Vertrauen in die eigene Kompetenz das tun, wofür man sich begeistert
Dr. Markus Gärtner, Engagement Manager bei McKinsey & Company, beschrieb die komplexen Verantwortungen und die marktwirtschaftlichen, planerischen und gestalterischen Prozesse in fachlich und kulturell heterogenen Consulting-Teams, die exakt ineinandergreifen müssen, wenn für den Kunden mögliche Investitionen von Milliardenbudgets in neuen Märkten geplant werden. Seine Botschaft an die Studierenden: Die hohe Fach- und Methodenkompetenz, die im ingenieurwissenschaftlichen Studium erworben wird, bildet die Basis für eine analytische Herangehensweise an komplexe Probleme, die den Ingenieur – hier bestand Einigkeit unter allen Referenten – zum Allrounder macht und letztendlich auch den Zugang zu fachfremden Themenfeldern erschließt. Grundsätzlich riet Gärtner den Teilnehmern, Entscheidungen hinsichtlich des beruflichen Werdegangs vor allem von der persönlichen Begeisterung für bestimmte Themen abhängig zu machen. Beim Start in die Karriere dürften die Absolventen dabei völlig zurecht ihren an der Universität erworbenen Fähigkeiten vertrauen.

Die Referenten v.r.n.l.: Dr. Thomas Rebhan (Fresenius Medical Care), Dr. Markus Gärtner (McKinsey & Company),
Dr. Thomas Endres (Deutsche Lufthansa AG), Jürgen Amedick (Siemens AG)


Karriere planen klappt nur zum Teil: Die Verantwortung ändert sich und wächst mit den Erfahrungen

Dr. Thomas Endres gab Einblick in verschiedene Stationen seines Lebenslaufes – vom wissenschaftlichen Mitarbeiter an der TF und am Bayerischen Laserzentrum über seine Verantwortungen bei Audi und Eurofighter bis hin zu seiner heutigen Aufgabe als CIO der Deutschen Lufthansa AG. Regelrecht durchgeplant sei sein Lebenslauf nie gewesen: Mit der Weiterentwicklung des Kenntnis- und Erfahrungsstandes seien die Aufgaben teilweise zu ihm gekommen.

In seiner Präsentation führte Endres vor Augen, wie sich die Altersstrukturen im Bereich des mittleren und höheren Managements in den kommenden Jahren zugunsten der nachrückenden Generation drastisch verschieben werden. Demnach klappt der Einstieg in das gehobene Management vielleicht nicht eben von heute auf morgen – bei entsprechender Eignung sind jedoch in den nächsten Jahren zahlreiche interessante Positionen neu zu besetzen.

Dass eine Karriere nicht am Reißbrett geplant werden sollte, unterstrich Endres ganz deutlich. Der „Lebenslauf aus der Retorte“ mache jeden Personalentscheider stutzig. Wichtiger sei es, konsequent den eigenen beruflichen Interessen zu folgen und Chancen zu ergreifen, wenn sie sich bieten.

Seilschaften sind passé: Was zählt, ist Kommunikation, Engagement und positives Netzwerken
Jürgen Amedick blickte zurück auf seine bewegte internationale Karriere im Siemens-Konzern, in dem er heute ein zentrales Geschäftssegment des Gebietes Large Drives verantwortet. Als einziger der Referenten hat er nicht promoviert. Aufgrund seiner Interessenlage – von Anfang an wollte er seiner Neigung nachgehen, komplexe Sachverhalte anschaulich zu machen – bedauert er es gerade aus heutiger Sicht nicht, auf die Promotion verzichtet zu haben. Die Entscheidung für oder gegen die Promotion sollte nach Amedick jedoch stets an den persönlichen Voraussetzungen festgemacht werden. Nach wie vor gelte die Promotion auch in Unternehmenskreisen als grundlegender Kompetenznachweis und kann unter Umständen den Ersteinstieg in einer höheren Hierarchieebene erleichtern. In späteren Berufsjahren, so erklärten die Referenten übereinstimmend, spiele die Promotion jedoch nur mehr eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger würden dann die im Laufe der Jahre erworbenen Erfahrungen, insbesondere im Umgang mit Menschen, Kulturen und Prozessen.

Auf eine Frage aus dem Plenum, inwieweit in der Praxis persönliche Kontakte für den beruflichen Erfolg ausschlaggebend seien, fasste Amedick die Meinung aller Referenten mit der Aussage eines seiner ehemaligen Vorgesetzten zusammen: „Sie können der beste 100-Meter-Läufer der Welt sein – aber Sie müssen am Start sein. Sonst gibt’s keine Punkte.“ Sprich: Fachlichkeit und Leistung sind unbedingte Voraussetzungen, um beruflich langfristig erfolgreich sein zu können. Wer aber über keine Kontakte verfügt und seine Erfolge im Verborgenen feiert, hat naturgemäß schlechte Chancen, als Talent entdeckt zu werden. Mit der Mär von geheimnisvollen Seilschaften, die auch den Unbegabten aufs Treppchen hieven, räumte Amedick auf: Irgendwann komme der Zeitpunkt, an dem selbst der rührigste Protegé nichts mehr für seinen Zögling tun könnte – und spätestens dann würde ein solches Kartenhaus zusammenfallen.

Demgegenüber hob Amedick den positiven Effekt von Career Services und von Netzwerken wie dem ATE, für den er sich unter anderem als stellvertretender Vorsitzender engagiert, hervor. Bei Veranstaltungen wie der heutigen kämen Wirtschaftsvertreter und Studierende offen miteinander ins Gespräch und könnten sich intensiv austauschen. Entsprechende Eignung vorausgesetzt, kann bei einer solchen Gelegenheit durchaus auch der Grundstein gelegt werden für eine spätere Karriere. Die Teilnehmer motivierte er dazu, die Angebote des ATE als Chance zu begreifen, frühzeitig im positiven Sinne Kontakte zu knüpfen und sich auch selbst mit Ideen und Engagement in das Alumni-Netzwerk einzubringen.

Für Interessierte stellen die regelmäßigen Stammtische des ATE im Fraunhofer-Institut IISB eine von vielen Möglichkeiten dar, mehr über die Angebote und den Service des Alumni-Netzwerks der Technischen Fakultät zu erfahren. Neben Exkursionen und Veranstaltungen bietet der ATE auch ein eigenes Mentoring-Angebot und ein Stipendium an, mit dem Studierende der Technischen Fakultät gefördert werden. Die Mitgliedschaft im ATE ist für Studierende der TF kostenlos.

Der ATE dankt den Ehemaligen der Technischen Fakultät, die sich als Referenten ehrenamtlich zur Verfügung gestellt haben, für ihr außergewöhnliches Engagement.

 

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